Bio-Imkerei – Gutes von glücklichen Bienenvölkern

Im Mai beginnt für die meisten Imker die spannendste Zeit des Jahres: Die Honig-Saison wird mit dem Aufsetzen neuer Honigräume eingeläutet, damit zum Monatsende das Ausschleudern des ersten Honigs erfolgen kann. Dies gilt in gleicher Weise auch für die Bio-Imkerei. Obwohl es den meisten Verbrauchern im ersten Moment so erscheinen mag, dass Honig als Naturprodukt immer auch automatisch „bio“ ist, ist dies keineswegs der Fall. Die EU-Richtlinien für ökologischen Landbau geben genau vor, welche Mindestvoraussetzungen eine Imkerei erfüllen muss, um ihre Erzeugnisse als Bio-Honig bezeichnen zu dürfen. Die Anforderungen an eine Bio-Imkerei sind hoch; zugleich sorgt das Bio-Siegel für Honig jedoch auch für ein gesteigertes Interesse seitens der Verbraucher.

Bio Imker Stock mit Bienen

Photo by blumenbiene

Wie wird Bio-Honig produziert?

Die Qualitätskriterien, die laut EU-Bio-Verordnung den Unterschied zwischen Bio-Honig und normalem Honig ausmachen, lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • sorgfältige Standortwahl: Meidung der Nähe zu stark befahrenen Straßen aufgrund des Abgasaufkommens, Abstand von Müllverbrennungsanlagen oder Fabriken
  • ökologische Bienenhaltung: Zum Bau der Bienenkästen werden ausschließlich Naturmaterialien und Farben ohne Schadstoffe verwendet. Seit einigen Jahren kommt zudem vermehrt der Naturwabenbau zum Einsatz, bei dem auf Grundlage eines Anfangsstreifens aus Wachs die Richtung des Wabenbaus vorgegeben wird
  • Fütterung/Ernährung: Die Umgebung sollte von Pflanzen aus ökologischer Erzeugung oder Wildpflanzen geprägt sein. Das Winterfutter sollte aus Pollen oder Eigenhonig bestehen.
  • kaltgeschleuderter Bio-Honig: Temperaturen von maximal 40 Grad beim Schleudern vermeiden eine Wärmeschädigung
  • Verzicht auf Chemie: Chemische Mittel gegen Krankheiten oder zum Fernhalten der Bienen während der Honig-Ernte sind bei der Bio-Imkerei nicht zulässig
  • kein Flügelstutzen: Anders als bei der konventionellen Imkerei werden die Flügel der Bienenkönigin nicht beschnitten

Schonendes Schleudern nach der Honig-Ernte

Ist Bio-Honig immer kaltgeschleudert? Diese entscheidende Frage stellen sich viele Konsumenten. Dabei ist der Begriff des „Kaltschleuderns“ irreführend: Der Schleuderprozess läuft stets nach demselben Schema ab, und „Warmschleudern“ als Gegenstück gibt es nicht. Wahr ist jedoch, dass eine Erwärmung über die Bienenstock-Temperatur von 40 Grad hinaus dem Honig schadet – und dass diese von Importeuren zugunsten einer leichteren Abfüllbarkeit dennoch häufig praktiziert wird. Der schonende Umgang mit dem Honig bei möglichst niedrigen Temperaturen ist eine Voraussetzung für Bio-Honig. Somit lässt sich die eingangs gestellte Frage, ob Bio-Honig kaltgeschleudert ist, trotzdem getrost mit „Ja“ beantworten.

Qualitätssiegel für Öko-Honig

Wer eine Bio-Imkerei in Deutschland führen möchte, hat mehrere Möglichkeiten, seinen Honig als Bio-Produkt zertifizieren zu lassen. Das EU-Bio-Siegel darf verwendet werden, wenn

  • der enthaltene Anteil gentechnisch veränderten Materials 0,9 Prozent nicht übersteigt und
  • die Inhaltsstoffe zu 95 Prozent aus biologischem Anbau stammen

Die Bio-Imkerei-Richtlinien, die zum Verwenden des deutschen staatlichen Bio-Siegels berechtigen, ähneln den Voraussetzungen für Bio-Honig, der mit dem EU-Bio-Siegel versehen werden darf, sehr stark. Dies liegt daran, dass die Auflagen für Bio-Honig stets auf der in der gesamten EU geltenden Bio-Verordnung basieren. Über die staatlichen Siegel hinaus kann eine Bio-Imkerei ihren Honig auch von einem der großen Produktionsverbände (zum Beispiel Naturland, Biokreis oder Biopark) zertifizieren lassen.

Regelmäßige Kontrollen für gleichbleibende Bio-Qualität

Die Bedingungen für Bio-Honig gehen weit über das einmalige Überprüfen der Qualität hinaus. Um die Kennzeichnung für Bio-Honig dauerhaft verwenden zu dürfen, müssen sich Bio-Imkereien regelmäßigen Qualitätskontrollen stellen. Im Falle des EU-Bio- sowie des deutschen Bio-Siegels wird diese Aufgabe von staatlichen zugelassenen Kontrollstellen übernommen. Über die Auflagen für die Verbandssiegel entscheiden die einzelnen Produktionsverbände. Meist sind hier sowohl die initialen Kriterien für Bio-Honig sowie auch die darauf folgenden Kontrollen wenig strenger als bei den staatlichen Bio-Siegeln.

Bienenprodukte – beliebt und vielseitig

Die Vorteile von Bio-Honig liegen auf der Hand: In dem Wissen, dass bei der Produktion weder Gentechnik noch chemotherapeutische Medikamente verwendet wurden und das Futter der Bienen aus ökologischer Landwirtschaft stammt, lässt sich die natürliche Leckerei noch unbeschwerter genießen. Viele Bio-Imkereien nutzen ihre Betriebe nicht ausschließlich zur Honigproduktion. Auch leckerer Met in Bio-Qualität kommt bei umweltbewussten Verbrauchern gut an – ebenso wie Naturkosmetik mit Gelée Royale oder Kerzen aus duftendem Bienenwachs. Wie Bio-Honige selbst haben solche Bienenprodukte gute Chancen, ihrerseits mit einem Bio-Siegel oder einem Siegel für Naturkosmetik zertifiziert zu werden.

One Comment

  1. Antworten
    Kurt 21. Januar 2014

    Harold hat in vollem Umfang recht. Ich selbst imkere konventionell, aber natürlich bekämpfe ich und fast alle meiner Imkerkollegen die Varroamilbe auch mit Ameisen – und Oxalsäure. Aber jetzt muss ich raus : Den Bienen die Flügel schneiden !

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