Bio-Landwirtschaft – die nachhaltige Alternative

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Seit einigen Jahrzehnten werden Themen wie der ökologische Landbau beziehungsweise die biologische und ökologische Landwirtschaft (kurz: Bio-Landwirtschaft) unter diversen Gesichtspunkten und in immer mehr Teilen der Gesellschaft wahrgenommen und diskutiert.

Die Bio-Produkte, die in dieser agrarwirtschaftlichen Nische erzeugt werden, konnten in den letzten Jahrzehnten stetig größere Marktanteile gewinnen. Viele Käufer wissen: Nachhaltiges Wirtschaften in der Pflanzen- und Fleischproduktion kommt sowohl der Umwelt als auch dem Verbraucher zugute, welcher mit einem guten Gefühl gen- und chemiefreie Lebensmittel genießt.

Doch was heißt „biologische Landwirtschaft“ eigentlich genau und welche Kriterien müssen Produkte erfüllen, um das Label „Bio“ zu erhalten?

Viele Begriffe – eine Mission

Um einen Einstieg in das Thema zu finden ist es wichtig, mit den Begrifflichkeiten vertraut zu sein. So verwirrend diese zunächst auch erscheinen mögen, so wenig sind sie es auf den zweiten Blick – ein Unterschied zwischen biologischer und ökologischer Landwirtschaft existiert nämlich gar nicht. Mit beidem ist die landwirtschaftliche Produktion von Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf Basis besonders umweltschonender Verfahren gemeint. Ziel ist es dabei, zugunsten eines stabilen Ökosystems besonders nachhaltig zu wirtschaften. Eine Folgefrage könnte nun sein, was der Unterschied zwischen ökologischem Landbau und biologischem Landbau sei. Auch hier gilt: Die Begriffe „ökologisch“ und „biologisch“ werden synonym verwendet, und auch der Begriff „Landwirtschaft“ deckt sich meist sinngemäß mit dem Begriff „Landbau“. Weitere Synonyme sind organische bzw. alternative Landwirtschaft sowie Ökolandbau und Biolandbau.

Ein Blick in die Vergangenheit: Die Geschichte der Bio-Landwirtschaft

Der ökologische Landbau bezieht sich auf das nachhaltige Wirtschaften und Anbauen im Einklang mit der Natur – doch diesem hehren Ideal stand die hohe Nachfrage im Weg. Also wurden zugunsten höherer Erträge Mineraldünger entwickelt und landwirtschaftliche Arbeitsprozesse automatisiert. Der Grundstein für die Bio-Landwirtschaft, wie sie heute bekannt ist, wurde in den 1920er Jahren gelegt. Im Zuge der Kritik an der Industrialisierung, deren Kehrseiten ¬- Luft- und Wasserverschmutzung sowie die Entfremdung des Menschen von der Natur – immer offensichtlicher wurden, strebte eine Gruppe, die sich selbst als Lebensreformer bezeichnete, die Rückkehr zu den Wurzeln der umweltgerechten Landwirtschaft ohne industrielle Hilfsmittel an. Eine bedeutende Rolle spielte in diesem Zusammenhang auch die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners, an der sich die biologisch-dynamische Landwirtschaft als spezielle Strömung der Bio-Landwirtschaft noch heute orientiert.

Ökologisches Wirtschaften im Trend

Was mit der Lebensreform-Bewegung und Rudolf Steiners biologisch-dynamischer Landwirtschaft begann, wurde in den 40er und 50er Jahren von der schweizerischen Bauernheimatbewegung aufgegriffen und zu einem autonomen Landbausystem erweitert. In den folgenden Jahrzehnten – vor allem in den 70er- und 80er-Jahren – stieg die Akzeptanz für die Öko-Landwirtschaft auch in der Bevölkerung weiter an. Erste nationale Richtlinien für die Bio-Landwirtschaft in Deutschland wurden 1984 erlassen; 1988 folgte die Gründung des ersten bundesweit agierenden Dachverbands der deutschen Anbauverbände. Heute werden dessen Aufgaben vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) übernommen.

Die Entwicklung der biologischen Landwirtschaft zu einem wichtigen Bestandteil der Landwirtschaft setzt sich stetig fort: Laut Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) wurden Ende 2014 6,3 Prozent aller Agrarflächen gemäß der EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau bewirtschaftet. Der Anteil der Bio-Landwirtschaft in Deutschland steigt: 1994 gab es 5.866 Bio-Betriebe – 2014 bereits 23.398.

Wer kauft Bio-Produkte?

Die Vorteile biologischer Landwirtschaft wurden in der Vergangenheit vor allem von Menschen geschätzt, die bereit waren, zugunsten eines fairen Umgangs mit der Natur ein wenig mehr Geld für ökologische Erzeugnisse auszugeben. Bio-Produkte waren vor allem in Reformhäusern sowie in Hofläden oder auf Wochenmärkten erhältlich. Eine 2015 durchgeführte Studie des BMEL zeigt, dass heute dagegen die Mehrheit der Bevölkerung Lebensmittelsicherheit und Transparenz hinsichtlich der Inhaltsstoffe als wichtig erachtet. So legten 67 Prozent der Befragten Wert auf gentechnikfreie Lebensmittel. 62 Prozent wünschten sich besonderen Tierschutz im Rahmen der Herstellung und immerhin 53 Prozent bevorzugten Lebensmittel aus biologischem Anbau.

Richtlinien für die biologische Landwirtschaft

Die wichtigsten Ziele der Bio-Landwirtschaft, die zugleich den größten Unterschied zwischen Bio- und konventioneller Landwirtschaft ausmachen, sind die artgerechte Haltung von Nutztieren, der Erhalt und die Förderung der Bodenfruchtbarkeit sowie die Verwirklichung eines möglichst geschlossenen betrieblichen Nährstoffkreislaufs, in welchem eigene Erzeugnisse verwendet bzw. wiederverwendet werden. Zugrunde liegen die 2007 veröffentlichten EU-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau, die zugleich die Mindestvoraussetzungen für die Kennzeichnung mit dem deutschem Bio- und dem EU-Bio-Siegel bilden. Sofern ein Bio-Hof sich in einem Produktionsverband organisiert und seine Produkte von diesem mit dem Verbandssiegel zertifizieren lässt, gelten noch strengere Kriterien.

Vereinfacht lassen sich folgende spezifische Merkmale ökologischer Landwirtschaft zusammenfassen:

  • in der Pflanzenproduktion wird auf den Einsatz chemischer Produkte (Pestizide, Kunstdünger, Antibiotika etc.) verzichtet. Dem Boden werden lediglich organische Nährstoffe, wenn möglich aus eigener Produktion, zugeführt. Bestimmte Pflanzenstärkungsmittel sowie Mischkulturen sollen die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen auf natürliche Weise stärken
  • in der Tierhaltung und -zucht wird auf große, helle und gut belüftete Räumlichkeiten sowie Ruhephasen und eine stressfreie Umgebung geachtet. Im Rahmen einer bestmöglichen tierärztlichen Versorgung werden homöopathische Präparate konventionellen Medikamenten vorgezogen. Auf Hormonpräparate wird verzichtet und das Futter stammt aus ökologischer Landwirtschaft – zugunsten eines geschlossenen Betriebskreislaufs und gesunder, gentechnikfreier Ernährung

Bio-Produkte zertifizieren lassen

Im Hinblick auf die Bio-Zertifizierung der Landwirtschaft existieren zum einen das deutsche staatliche Bio-Siegel, das 2001 eingeführt wurde, und zum anderen das EU-Bio-Siegel, das zur Zertifizierung ökologischen Landbaus seit 2012 als Verpackungsaufdruck neben dem deutschen Bio-Siegel verpflichtend ist. Die Zertifizierung mit beiden Siegeln kann nur dann erfolgen, wenn sämtliche Kriterien der EU-Verordnung für biologische Landwirtschaft erfüllt werden. Im Jahr 2015 waren mehr als 50 Prozent aller Bio-Betriebe in Deutschland in einem Produktionsverband organisiert.

Die Prinzipien des ökologischen Landbaus, die die Verbände für eine Zertifizierung voraussetzen, basieren ebenfalls auf der EU-Richtlinie für biologische Landwirtschaft. Sie gehen jedoch über die Kriterien des EU-Siegels für biologische Landwirtschaft hinaus. So fordern beispielsweise die Verbände Bioland, Demeter und Naturland, dass 100 Prozent aller Zutaten eines Bio-Lebensmittels ökologischen Ursprungs sei müssen, während im Rahmen der EU-Verordnung 95 Prozent ausreichen.

Eine Investition in die Zukunft

Die Zukunft der Bio-Landwirtschaft wird voraussichtlich auch weiterhin von einer wachsenden Nachfrage seitens der Verbraucher geprägt sein. Bio-Produkte, die früher nur in speziellen Geschäften erhältlich waren, haben sich als gesunde und umweltfreundliche Alternative zu konventionellen Produkten längst ihren festen Platz in den Supermarktregalen erobert.

Von der Nachhaltigkeit biologischer Landwirtschaft profitieren Mensch und Umwelt gleichermaßen. Durch den Nährstoffkreislauf im ökologischen Landbau können vorhandene Ressourcen optimal genutzt werden und fruchtbare Böden sorgen für gute Ernteerträge. Die Anbauverbände bieten Hilfestellung bei der Umstellung auf Bio-Landwirtschaft und beim Vertrieb ökologischer Erzeugnisse. Seit 1994 fördert zudem auch der Staat den Öko-Landbau mit Zuzahlungen, die eventuelle Mehrkosten und initiale Einkommensverluste ausgleichen sollen. Dies wiederum begünstigt die Entstehung neuer Arbeitsplätze auf den Bio-Höfen. Bio-Landwirtschaft ist also mehr als nur ein Trend: Sie schafft neue Zukunftsperspektiven für Betriebe, die die Zeichen der Zeit erkennen und vorausschauend planen.

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